Die Anforderungen der ISO 9001: was die Norm verlangt und was nicht
Zweck der ISO 9001 ist, dass Ihr Betrieb die Anforderungen seiner Kunden und die geltenden gesetzlichen Anforderungen beständig erfüllt und die Zufriedenheit seiner Kunden erhöht. Vieles davon tut ein gut geführter Betrieb bereits. Hinzu kommen feste Bausteine wie Qualitätsziele, ein internes Audit, also eine regelmäßige Selbstprüfung der eigenen Abläufe, und die Managementbewertung, in der die Geschäftsführung regelmäßig auswertet, ob das QM-System wirkt.
Diese Übersicht folgt der Gliederung und den Abschnittsnummern der ISO 9001:2015. Zertifizierung und Umstellung nach der neuen Ausgabe ISO 9001:2026 sind über uns ab sofort möglich, zum selben Preis wie nach der Ausgabe 2015. Für Zertifikate nach ISO 9001:2015 gilt eine Übergangsfrist von drei Jahren; weitere Einzelheiten werden voraussichtlich Anfang 2027 feststehen. Zeitpunkt und Ablauf der Umstellung legt die Zertifizierungsstelle fest. Den Stand der Ausgabe 2026 behandelt der Ratgeber zur ISO-9001-Revision.
Die Anforderungen der ISO 9001:2015 in Klartext
Der Normtext ist in sieben Hauptkapitel (4 bis 10) gegliedert. Die Norm verlangt, dass ihre Anforderungen in die Abläufe Ihres Betriebs eingebunden werden, nicht, dass Sie Ihre Arbeit nach dieser Gliederung neu aufschreiben. Inhaltlich bedeuten die Kapitel:
- Kontext und interessierte Parteien (Kap. 4): Sie wissen, in welchem Umfeld Ihr Betrieb arbeitet und wer relevant ist: Kunden, Lieferanten, Behörden, Mitarbeiter. Sie legen fest, für welche Tätigkeiten und Standorte das Zertifikat gelten soll (Anwendungsbereich).
- Führung und Qualitätspolitik (Kap. 5): Die Geschäftsführung trägt das Qualitätsmanagement, gibt eine kurze Qualitätspolitik vor und regelt Zuständigkeiten. Eine Qualitätspolitik von wenigen Sätzen, die zu Ihrem Betrieb passt, genügt.
- Risiken und Chancen, Ziele (Kap. 6): Sie ermitteln, was schiefgehen kann (etwa Lieferengpass, Reklamation, Personalausfall) und was Sie verbessern wollen, und setzen sich messbare Qualitätsziele. Eine bestimmte Methode des Risikomanagements ist nicht vorgeschrieben.
- Ressourcen und Kompetenz (Kap. 7): Ihre Leute können, was sie tun sollen, Maschinen und Werkzeuge sind in Ordnung, wichtige Nachweise (etwa Unterweisungen, Prüfmittel) sind auffindbar. Hierher gehört auch der Umgang mit Ihren Unterlagen: Dokumente und Aufzeichnungen, die die Norm „dokumentierte Information“ nennt, müssen aktuell, auffindbar und geschützt sein (7.5).
- Betrieb und Steuerung der Abläufe (Kap. 8): Von der Anfrage über den Auftrag bis zur Lieferung laufen Ihre Kernprozesse nach einem nachvollziehbaren Standard, einschließlich des Umgangs mit Lieferanten und mit fehlerhaften Leistungen.
- Bewertung der Leistung (Kap. 9): Sie verfolgen, wie zufrieden Ihre Kunden sind, werten Reklamationen aus, führen ein internes Audit durch und bewerten das QM-System in einer Managementbewertung.
- Verbesserung (Kap. 10): Fehler werden nicht nur behoben, sondern an der Ursache abgestellt, damit sie nicht wiederkommen. Das prüft auch das Überwachungsaudit.
Pflichtdokumente: welche dokumentierte Information die Norm fordert
Die ISO 9001:2015 unterscheidet dokumentierte Information, die Sie aufrechterhalten (aktuelle Vorgaben, etwa Politik und Ziele), von dokumentierter Information, die Sie aufbewahren (Nachweise, dass etwas geschehen ist). Die folgende Übersicht gibt die wichtigsten Stellen sinngemäß wieder, nicht im Normwortlaut; maßgeblich ist der Normtext.
Aufrechtzuerhalten
- 4.3: Anwendungsbereich des QM-Systems, einschließlich der Begründung, wenn eine Anforderung nicht angewendet werden kann
- 4.4.2 a: dokumentierte Information im erforderlichen Umfang, um die Durchführung Ihrer Prozesse zu unterstützen
- 5.2.2 a: Qualitätspolitik
- 6.2.1: Qualitätsziele
- 8.1 e, Nr. 1: dokumentierte Information im erforderlichen Umfang, um darauf zu vertrauen, dass die Prozesse wie geplant ablaufen
Aufzubewahren
- 4.4.2 b: Nachweise im erforderlichen Umfang, dass die Prozesse wie geplant durchgeführt werden
- 7.1.5.1: Nachweise, dass Überwachungs- und Messmittel für ihren Zweck geeignet sind
- 7.2: Nachweise der Kompetenz der Personen, etwa Unterweisungen und Schulungen
- 8.1 e, Nr. 2: Nachweise, dass Produkte und Dienstleistungen die Anforderungen erfüllen
- 8.2.3.2: Ergebnisse der Prüfung von Kundenanforderungen und neue Anforderungen
- 8.4.1: Beurteilung, Auswahl und Überwachung externer Anbieter
- 8.6 und 8.7.2: Freigabe von Produkten und Dienstleistungen sowie Umgang mit fehlerhaften Ergebnissen
- 9.1.1: Ergebnisse der Überwachung und Messung
- 9.2.2: Durchführung des Auditprogramms und Ergebnisse der internen Audits
- 9.3.3: Ergebnisse der Managementbewertung
- 10.2.2: Art der Nichtkonformitäten, also Abweichungen von Anforderungen wie Fehler oder berechtigte Reklamationen, ergriffene Maßnahmen und Ergebnisse der Korrekturmaßnahmen
Je nach Tätigkeit kommen weitere Stellen hinzu, etwa zur Entwicklung (8.3), wenn Sie Produkte oder Dienstleistungen selbst entwickeln, zur Rückverfolgbarkeit (8.5.2), zum Eigentum von Kunden oder externen Anbietern (8.5.3) oder zu Änderungen in der Leistungserbringung (8.5.6).
Was der Betrieb selbst festlegt
- Umfang der Dokumentation (7.5.1): Wie viel dokumentierte Information Ihr Betrieb braucht, hängt nach der Norm von Größe, Tätigkeiten, Komplexität der Prozesse und der Kompetenz der Personen ab.
- Methode zur Kundenzufriedenheit (9.1.2): Ob Sie Kunden befragen, Reklamationen und Rückmeldungen auswerten oder Gespräche festhalten, bestimmen Sie selbst.
- Form der Managementbewertung (9.3): Die Norm legt fest, welche Themen einzubeziehen sind, nicht die Form; in einem kleinen Betrieb kann das eine jährliche Besprechung mit Protokoll sein.
- Gestaltung der Unterlagen: Papier oder digital, eigene Vorlagen oder Formulare aus dem Alltag; die Norm schreibt keine bestimmte Software und keine bestimmten Begriffe vor.
Was die ISO 9001 nicht verlangt
- Kein QM-Handbuch nach ISO 9001:2015 vorgeschrieben. Damit Sie nicht beim leeren Blatt beginnen, erhalten Sie von uns dennoch einen Satz Vorlagen, darunter ein bewusst kurz gehaltenes QM-Handbuch von zwölf Seiten.
- Keine festen Verfahrensanweisungen nach ISO 9001:2015 vorgeschrieben. Dokumentiert wird, was die Norm fordert und was Ihre Abläufe brauchen.
- Keine eigene Stelle für einen Qualitätsmanagementbeauftragten (QMB) nach ISO 9001:2015 vorgeschrieben. Die Geschäftsführung trägt die Verantwortung und ordnet Aufgaben und Befugnisse im Betrieb zu.
- Keine bestimmte Software. Die Norm schreibt kein QM-Programm und keine Digitalisierung vor; nachvollziehbar muss es sein.
- Keine Fehlerfreiheit. Die ISO 9001 verlangt nicht, dass nie etwas schiefgeht, sondern dass Sie Fehler systematisch erkennen und abstellen.
Was verbindlich bleibt
Unabhängig davon, wie schlank Ihr QM-System angelegt ist, bleiben unter anderem Qualitätspolitik und Qualitätsziele Pflicht, ebenso das interne Audit in geplanten Abständen (9.2), die Managementbewertung (9.3) und Korrekturmaßnahmen bei Nichtkonformitäten (10.2), jeweils mit den oben genannten Nachweisen. Diese Bausteine prüft die Zertifizierungsstelle im Audit.
Selbstcheck in zehn Punkten
Gehen Sie die Liste durch. Jeder Punkt, den Ihr Betrieb bereits erfüllt, verkürzt die Vorbereitung:
- Sie können benennen, wer Ihre wichtigsten Kunden sind und was sie von Ihnen erwarten.
- Es ist klar, wer im Betrieb wofür zuständig ist, auch in Vertretung.
- Sie wissen, welche zwei, drei Abläufe Ihr Geschäft tragen und wie sie üblicherweise laufen.
- Neue Mitarbeiter werden eingearbeitet und unterwiesen.
- Reklamationen und Fehler werden aufgegriffen und ausgewertet.
- Sie prüfen Ihre Leistung oder Ware, bevor sie zum Kunden geht.
- Wichtige Geräte oder Prüfmittel werden gewartet bzw. kalibriert.
- Sie wählen Lieferanten bewusst aus und nicht nur nach dem Tagespreis.
- Sie wissen, was schiefgehen könnte, und haben dafür eine Vorkehrung.
- Sie überprüfen in Abständen, was im Betrieb besser laufen könnte.
Die Vorbereitung auf die Zertifizierung setzt bei diesen bestehenden Abläufen an; ergänzt wird, was die Norm verlangt und bei Ihnen noch fehlt. Verlangt werden die Nachweise, die die Norm vorschreibt; zusätzliche Formulare oder Verfahrensanweisungen, die die Norm nicht fordert, legen wir Ihnen nicht auf. Zusätzlich zu den Vorlagen bieten wir innerhalb der drei Jahre Laufzeit auf Wunsch zwei kostenlose Schulungstermine für Ihre Mitarbeiter an.